Antworten der DB Regio und des Verkehrsministeriums zu offenen Fragen anlässlich der Veranstaltung zur Filsbahn am 10.07.2017

Im Nachgang zur Veranstaltung über die Zukunft der Filstalbahn am 10.07.2017 im Göppinger Landratsamt hatten die Zuhörer*innen noch einige Fragen die wir als Abgeordnete aus dem Kreis Göppingen an die zuständigen bei der DB Regio und dem Verkehrsministerium weitergeleitet haben. Die Antworten werden im Folgenden veröffentlicht. Auch in Zukunft werde ich als Abgeordneter den Kontakt mit den verantwortlichen Stellen halten und noch offene Fragen ansprechen. Auch für die Fragen der Bürger*innen habe ich natürlich ein offenes Ohr und werde diese weiterleiten um eine Verbesserung der Situation auf der Filstalbahn zu erreichen.
Mit freundlichen Grüßen
Alex Maier

MINISTERIUM FÜR VERKEHR

BADEN-WÜRTTEMBERG

 

Postfach 10 34 52, 70029 Stuttgart

E-Mail: poststelle@vm.bwl.de

FAX: 0711 231-5899

 

Im Rahmen der Veranstaltung „Wie geht es weiter mit der Filstalbahn?“ am 10. Juli 2017, war es leider nicht möglich dem Informationsbedürfnis aller Pendlerinnen und Pendler nachzukommen. Es wurde daher allen Anwesenden angeboten, nicht beantwortete Fragen schriftlich einzureichen. Da sich nicht alle Fragen eindeutig von der Zuständigkeit abgrenzen lassen, werden die Fragen in einer gemeinsamen Fassung vom Verkehrsministerium und der DB Regio AG erörtert. Der Wortlaut der Fragen wurde unverändert übernommen.

 

  • Bitte: Die Bahn und auch das Ministerium mögen bitte die Eingaben und Briefe der Bahnpendler auch beantworten! Deren Anliegen sind schließlich nicht unberechtigt.

VM & DB: Alle Eingaben und Briefe werden mit der gleichen Sorgfältigkeit bearbeitet und beantwortet. Leider ist nicht völlig auszuschließen, dass zu bestimmten Hochphasen nicht alle Anfragen in der gewünschten Zeit bearbeitet werden können. Insbesondere die Qualitätsprobleme der letzten Monate haben dazu geführt, dass die Anzahl an Eingaben sehr stark angestiegen ist. Ein Rückstau war daher nicht zu vermeiden. Darum bitten wir um Verständnis.

  • Finanzielle Entschädigung: Ist, wie gestern angeklungen, unabdingbar und auch angebracht! Die Gutscheinaktion der Bahn war keine Kompensation und hat auch wirklich nicht jeden erreicht, auch wenn Herr Weltzien dies meinte. Ich bekam von den Leuten, die Gutscheine verteilten, auch nichts mit, und bin jeden Tag auf der Bahnstrecke nach Stuttgart unterwegs!
  • Wie bekomme ich konkret eine Kompensation für die ganzen aufgelaufenen und weiterhin auflaufenden Mängel, und von wem und nach welchen Grundsätzen? Von der DB Regio? Vom VVS? Oder vom Verkäufer des Firmentickets? Sie kennen das Prinzip des Einheitlichen Ansprechpartners, wie er z.B. von der Europäischen Union für Gewerbetreibende verlangt wird. Ein solcher fehlt m.E. für die Bahnpendler.

DB: Die betroffenen Fahrgäste können auf einer extra hierfür eingerichteten Internetseite die für die Erstattung erforderlichen Daten eintragen. Nach Prüfung der Kundenangaben erfolgt eine direkte Erstattung auf das Konto des Fahrgastes.

Die Internetseite wird nach den Sommerferien bereitgestellt. Die Fahrgäste werden über Presse und aktive Ansprache im Zug über Details informiert.

Sollte einzelnen Kunden nicht die Möglichkeit haben, die notwendigen Angaben im Internet vorzunehmen, können sie dies auch auf telefonischem Weg oder per Post tun.

  • Fragen zur Information der Bahnreisenden:
  • a) Wann funktionieren die kleinen Ankunftstafeln im Hbf Stuttgart wieder?

DB: Die kleinen Anzeigetafeln an den Bahnsteigen in Stuttgart Hbf funktionieren wieder. Die Anzeigen waren durch den Trojaner „wanna-cry“ Angriff im Ausfall. Da jeder Anzeiger einzeln wiedereingerichtet werden musste und die großen Anzeigen Vorrang hatten, hat die Reparatur dieser Anzeigen länger gedauert.

  • b.) Warum ist eine verspätete Ankunft nicht sofort mit den Anzeigetafeln für die Abfahrt verknüpft? Man muss oft erst am Bahnsteig die App aufrufen, Ankunft in Stuttgart kontrollieren, um zu sehen, ob die Abfahrt wieder verspätet sein wird, weil der Zug nicht pünktlich kommt.

DB: Derzeit müssen solche sogenannten Wendeverspätungen einzeln manuell durch unsere Disponenten eingegeben werden. Dies führt in Einzelfällen leider dazu, dass dies übersehen werden kann, oder dass aufgrund von parallel zu bearbeitenden Störfällen der Disponent nicht die Möglichkeit hat, die Verspätung rechtzeitig einzugeben.

Ab August dieses Jahres wird es eine Verbesserung geben. Wendeverspätun-gen bis einschließlich 5 Minuten werden dann automatisch für den Folgezug angezeigt und müssen nicht mehr manuell eingegeben werden.

  • c.) Warum wird auf den Anzeigetafeln und bei den Bahnsteigdurchsagen immer auf ca. 5 Minuten usw. abgerundet, wenn doch jeder weiß, dass dies beschönigend ist? Die App auf dem Handy ist da ehrlicher, und wir haben mittlerweile einen Zustand, dass man nicht zum Bahnhof gehen kann, ohne vorher die App zu sichten, ein echt unglaublicher Zustand!

DB: Dies ist in erster Linie technisch bedingt. Ein Teil der älteren Anlagen, die an den Stationen im Einsatz sind, sind nicht dafür ausgelegt, dass mündlich ein Abruf aktualisierter Daten erfolgt. Aus diesem Grund wird ein abgerundeter Wert kommuniziert. Wir runden, da es immer sein kann, dass Verspätungen wieder verringert werden.

  • Viele Verzögerungen werden nach meiner Einschätzung im Bahnhof Ulm verursacht, sei es verzögerte Bereitstellung, Überholungen u.ä. Diese wirken sich dann auf den weiteren Verkehr auf der Filstalbahn aus. Die RB 6:02 wird in Geislingen bereitgestellt und kommt i.d.R. pünktlich. Für die Züge aus Ulm gilt dies leider nicht. Was ist hier los, und wie kann Abhilfe geschaffen werden. Hier sollte die Bahn Auskunft geben.

DB: Die Verspätungen der aus Ulm kommenden Züge haben i. d. R. zwei Hauptursachen:

  1. Der Bahnhof Ulm ist sehr stark ausgelastet. Die Bahnsteiggleise sind sehr dicht belegt und die Züge fahren in sehr dichter Folge hintereinander her. Das führt dazu, dass es sehr viele Abhängigkeiten zu anderen Strecken gibt, weswegen es leider immer wieder vorkommt, dass Verspätungen auf anderen Strecken auf die Filstalbahn übertragen werden oder umgekehrt. Eine kurzfristige Lösung hierbei ist nicht einfach, da hierzu Anpassungen der Infrastruktur erforderlich wären.
  2. Unsere Werkstatt in Ulm ist ebenfalls sehr stark ausgelastet und kämpft weiterhin mit einem sehr hohen Schadstand der Fahrzeuge. Das führt dazu, dass die geplanten „Werkstattfenster“ (d. h. der zeitliche Rahmen für die Abarbeitung von Reparatur- und Instandhaltungsaufträgen) teilweise nicht ausreichen. Dies führt leider in einigen Fällen dazu, dass Züge nicht rechtzeitig am Bahnsteig bereitgestellt werden können. An diesem Punkt arbeiten wir intensiv mit einem Bündel an Maßnahmen, um die Werkstatt Ulm zu entlasten und damit die Bereitstellung der Züge zu verbessern und in der Folge die Abfahrtspünktlichkeit zu verbessern.
  • Zum Standort Ulm gehört wohl auch die regelmäßige Reinigung der Wagengarnituren. Die Reinigungsintervalle lassen zu wünschen übrig.

DB: Es ist richtig, dass ein Teil unserer Fahrzeugflotte in Ulm gereinigt wird. Leider ist es so, dass wir in Ulm nicht alle Fahrzeuge wie geplant reinigen können. Die Ursache liegt wie unter 4b. beschrieben an der Tatsache, dass die geplanten Werkstatt- bzw. Behandlungszeiten aufgrund der vielen Schäden an den Fahrzeugen nicht ausreichen. Wenn die Zeit knapp wird, werden zuerst die sicherheitsrelevanten Arbeiten durchgeführt und dann kann es passieren, dass Komfortschäden (z. B. defekte WC‘s) oder die Reinigungen nicht mehr durchgeführt werden können, bevor die Zuggarnitur wieder in den Einsatz geht. Lösung siehe Antwort zu 4b.

  • Zum Standort Ulm gehört auch die Reparatur, wie gestern bei der Veranstaltung deutlich wurde. Hier wurde aber nicht erklärt, wie es hier zu einer Verbesserung kommt und warum nach wie vor defektes Wagenmaterial unterwegs ist.

DB: siehe Antwort zu 5.

  • Zum Reisen unterwegs: Es gibt – abgesehen von den IREs, die seit dem Fahrplanwechsel für mich in Kuchen praktisch wertlos geworden sind -, keine Zugbegleiter in den Zügen. Es ist eine seltene Ausnahme, dass gelegentlich eine Kontrolle stattfindet. Schwarzfahrer sind üblich und werden von der Bahn – und wohl auch vom Land – billigend in Kauf genommen, und in der Ersten Klasse müssen die Fahrgäste gelegentlich selbst die Mitfahrenden auf die „Fehlbelegung“ aufmerksam machen. Eine Ansprechperson in den Zügen gibt es – anders als früher, als Zugbegleiter durchgingen – nicht. An wen soll sich der Fahrgast wenden, wenn die Klimaanlage nicht funktioniert, zu stark oder gar nicht kühlt, die Heizung nicht funktioniert oder heizt, wenn sie nicht sollDie Notbremse ziehen geht ja nicht.

DB: Für Notfälle gibt es in den Doppelstockwagen eine Sprechstelle, mit der eine Sprechverbindung mit dem Lokführer hergestellt werden kann. Es ist richtig, dass im Gegensatz zu den früher eingesetzten n-Wagen nicht mehr auf jedem Zug ein Zugbegleiter mitfährt. Das Land hat in seinen Verträgen eine Begleitquote von 25 % vorgegeben, sodass nicht in jedem Zug, der mit Doppelstockwagen verkehrt ein Zugbegleiter mitfährt.

In den Doppelstockzügen war das bis zum Beginn der Übergangsverträge genauso.

Zu den Klimaanlagen: Es kann natürlich sein, dass eine Klimaanlage nicht funktioniert. Dies versuchen wir dann bei der nächsten Gelegenheit in der Werkstatt so schnell wie möglich zu reparieren. Bei den RB Leistungen auf der Filstalbahn sind vertragsgemäß nicht alle Wagen mit einer Klimaanlage ausgerüstet, sodass es auch sein kann, dass der betreffende Zug nicht mit einer Klimaanlage ausgerüstet war.

  • Zum Vorrang des Fernverkehrs und Güterverkehrs: Hier hätte ich eine genauere Aufklärung, welche Vorrangstellung Fern- und Güterverkehr gegenüber dem Nahverkehr genießen und wo dies geregelt ist. Morgens erlebe ich es des Öfteren, dass nicht die RB kommt, sondern stattdessen noch ein Güterverkehr durchgelassen wird, mit der entsprechenden Verzögerung im Regionalverkehr. Welche Abmachungen gibt es hier zwischen dem Land als Besteller und dem Vertragspartner auf der anderen Seite (DB Regio oder DB Netze oder wer?).

DB: Welche Züge Vorrang haben, hängt in erster Linie davon ab, welche Trasse bei DB Netz für einen Zug gebucht wurde. Der Fernverkehr (ICE und IC) haben in der Regel eine sogenannte Express-Trasse, welche Vorrang vor der Trasse hat, die im Regionalverkehr genutzt wird. Das ist verkehrlich sinnvoll. Denn wenn ein ICE auf seinem Weg durch Deutschland auf vielen Strecken hinter dem Regionalverkehr herfahren müsste, würde er in jedem Knotenbahnhof die vorgesehenen Anschlüsse nicht erreichen. Ein Güterzug hat im Regelfall keinen Vorrang vor einem Regionalzug. Wenn ein Güterzug vor einem Regionalzug am Bahnsteig „vorbeikommt“, kann es sein, dass falsch disponiert wurde. Es kann aber auch sein, dass der Regionalzug bereits aus einem anderen Grund eine Verspätung hat und man deshalb den Güterzug vorfahren lässt.

Wenn alle Züge mit dem gleichwertigen Trassenprodukt geplant sind, gilt die Reihenfolge Personenverkehr vor Güterverkehr und beim Personenverkehr schnell, also ICE und IC, vor langsam, also IRE, RE und RB.

  • Wenn die Privaten Ende 2019 auf der Filstalbahn zum Zuge kommen: Hat hier nach wie vor der Fernverkehr und Güterverkehr Vorrang auf der Strecke? Es sind ja auch viele Defizite im Betriebsablauf darauf zurückzuführen, dass es im Fernverkehr zu Unregelmäßigkeiten im Betriebsablauf kommt. Was ist hier mit den privaten Betreibern vereinbart? Wenn diese Nachrang z.B. gegenüber IC und ICE haben, wird sich an etwaigen dadurch verursachten Verspätungen usw. nichts ändern!

VM: Ab Ende 2019 wird die Regionalbahn von Go-Ahead übernommen. An den Randbedingungen der Zugfolge gibt es keinen Unterschied, ob Go-Ahead oder die DB Regio diese Leistungen erbringen.

  • Wenn Stuttgart 21 endlich in Betrieb geht: Welches Nahverkehrsangebot wird es dann auf der Filstalstrecke noch geben, wenn die Fernverkehrsverbindungen auf der neuen Strecke laufen? Wird es so sein, dass die Lücke dann durch den Güterverkehr gefüllt wird, da ja mehr Verkehr auf die Schiene soll? Für die Anlieger an der Bahnstrecke wird das dann sehr „spannend“.

VM: Das endgültige Konzept für den Zeitpunkt mit Stuttgart 21 befindet sich noch in der Bearbeitung. Wie sich dann der Güterverkehr auf der Strecke entwickelt, lässt sich nicht vorhersehen. Bis auf wenige Ausnahmen genießt der Personenverkehr sowohl bei der Planung als auch bei der Disposition gegenüber dem Güterverkehr Bevorrechtigung, die sich am Ende in der Qualität des Angebotes als auch der Pünktlichkeit widerspiegeln wird.

  • In Richtung Land/NVBW: Es soll im Dezember einen großen Fahrplanwechsel geben. Wie werden die Bahnpendler einbezogen, dass sie hier Anregungen geben können? Vermutlich wird das aber gar nicht groß gewünscht sein, um nicht zu viel „Sand ins Getriebe“ zu bekommen.

VM: Seit Jahren führt die NVBW eine Fahrgastbeteiligung zum Anfang des Jahres durch. Die  zukünftigen Fahrplantabellen werden am Anfang des Jahres auf der Homepage zur Verfügung gestellt unter „Fahrgastbeteiligung“. Betroffene Pendler können über ein Kontaktformular ihre Wünsche äußern. Diese werden berücksichtigt und auch beantwortet, wenn eine Umsetzung nicht möglich ist. Dies wurde in den letzten Jahren auch immer rege genutzt. Der Fahrplan 2018 stellt hier eine Ausnahme dar. Die Qualitätsprobleme auf der Filstalbahn hatten zur Folge, dass die endgültigen Fahrplantabellen erst jetzt zur Verfügung stehen. Eine Fahrgastbeteiligung war daher nicht mehr möglich. Ab nächstem Jahr sollen aber die Tabellen wieder rechtzeitig zur Verfügung gestellt werden.

  • Mit dem letzten Fahrplanwechsel sind für mich die IRE-Verbindungen praktisch nutzlos geworden. Es gibt keine Umsteigemöglichkeit in Göppingen auf den Nahverkehr mehr, und es gibt auch keine sinnvolle Möglichkeit, bis Geislingen mit dem IRE zu fahren und zeitnah nach Kuchen zurück, wie dies im letzten Jahr noch möglich war. Dies wäre eine dringende Bitte, dies wiedereinzuführen, und die IRE allen Pendlern und nicht nur denjenigen aus den größeren Städten zugutekommen zu lassen.

VM: Die aktuelle Konzeption des Filstales sieht diesen sogenannten Rückanschluss nicht mehr vor. Mit der Inbetriebnahme von Netz 1 im Dezember 2019 ist aber eine Verlängerung der Regionalbahn von Stuttgart über Süßen hinaus nach Geislingen geplant. Damit entsteht eine deutlich attraktivere halbstündliche Anbindung an Stuttgart

  • Ich habe aus grauer Vorzeit noch einen schönen Brief der Bahn in meinen Unterlagen, wo versprochen wurde, bei verspäteter Ankunft in Stuttgart Züge in Plochingen umzubrechen und die Reisenden mit einer schnellen Verbindung und einem Ersatzzug dorthin zu bringen. Davon ist nichts mehr übrig. Auch dies wäre es wert, als Option wieder eingeführt zu werden.

DB: Wir vermuten, dass es hier um die IRE Züge Stuttgart – Ulm – Lindau geht. Bei diesen Zügen gab es bis Ende 2016 eine 6 Min. Wende in Stuttgart. Dies ist aber dort nicht mehr der Fall.

Ab dem 11.09.2017 und ab dem 10.12.2017 werden in Stuttgart Hbf die Kurzwenden ab 8:30 Uhr beginnend aufgelöst. Ab 11.09.2017 mit Ausnahme der Wenden um 16:31 Uhr und um 17:31 Uhr, ab dem 10.12.2017 dann ab 8:30 Uhr beginnend alle Wenden zur Min. 30 in Stuttgart. Das bedeutet, dass der Zug ab Stuttgart Hbf auch losfahren kann, wenn der aus Richtung Geislingen kommende Zug mit Verspätung ankommt.

Dadurch ist es dann nicht mehr sinnvoll Züge bereits auf der Fahrt nach Stuttgart zu brechen. Dies würde nur zu einem zusätzlichen Umstieg und damit zu weiterem Zeitverlust für die Fahrgäste auf dem Weg nach Stuttgart führen. Für die Gegenrichtung setzen wir jeweils eine andere Zugeinheit ein, welche wir aus dem Abstellbahnhof zuführen. Somit können wir sicherstellen, dass auch die Züge aus Stuttgart Hbf in Richtung Ulm pünktlich abfahren können.

  • Zu den Pönalen. Ich habe mir intensiv die Landtagsdrucksachen dazu angesehen und bin erstaunt, wie geheimniskrämerisch selbst gegenüber den LT-Abgeordneten mit diesem Thema umgegangen wird. Es sollte offengelegt werden, unter welchen Voraussetzungen die Bahn eine Pönale leisten muss und wie hoch diese ist. M.E. sind die Pönalen entweder nicht wirksam und für die Bahn nicht „attraktiv“, schnell zu Verbesserungen zu kommen, oder sie werden seitens des Landes nicht mit Nachdruck verfolgt. Und wenn Pönalen bezahlt werden, dann müssen sie auch den Pendlern zugutekommen, wie bei der Veranstaltung gestern deutlich wurde.

VM: Die vorgegebenen Qualitätsstandards in Baden-Württemberg sind in fast allen Verkehrsverträgen gleich. Es werden folgende Kriterien pönalisiert bzw. bei folgenden Abweichungen von den vertraglichen Vorgaben eine Minderung im Zuschussbetrag vorgenommen:

  • Pünktlichkeit schlechter als 92 % (Ein Zug gilt als verspätet, wenn er mit mehr als 3:59 Minuten Verspätung ankommt. Zusätzlich gelten Züge mit mehr als 30:59 Minuten als Totalausfall)
  • mangelhafte Sauberkeit
  • verringerte Qualitätsstandards
  • verminderte Kapazität
  • Zugausfälle
  • Eine Verspätung von über 30.59 min gilt als Totalausfall
  • Bei fahrzeug- oder personalbedingten Zugausfällen wird die doppelte Pönale veranschlagt
  • Der Einsatz von Fahrzeugen die nicht den vereinbarten Qualitätsstandards entsprechen (z.B. fehlende Klimaanlage oder 1.Klasse-Wagen).

Eine Verwendung aus der Minderung der Zuschussbeträge zur Entschädigung von Pendlern ist nicht vorgesehen. Dies entspricht auch dem Beschluss 16/1359 des Landtages, der einstimmig von allen Parteien angenommen wurde. Weiter wurde darin festgelegt, dass Minderungen und Vertragspönalen wie bisher übliche Praxis, in die Infrastruktur und Verbesserung des Zugangebotes investiert werden sollen. Dabei ist zu beachten, dass die Gelder für Maßnahmen verwendet werden, die möglichst schnell einen großen Nutzen stiften. Dies entspricht auch der fachlichen Überzeugung des Ministeriums.

  • Dies führt zu einer ganz konkreten Frage: Wenn z.B. die RB 18:31 ab Stuttgart um 20:27 in Ulm sein muss, aber in Geislingen einen 21minütigen Halt hat: Wie wird gemessen, ob und wie stark dieser Zug verspätet ist? Wenn hier auf die Ankunft in Ulm abgestellt würde, dann haben die Pendler bis Geislingen das Nachsehen, und die Optik der Pünktlichkeit wird durch diesen einfachen Effekt verbessert.

DB: Die Pünktlichkeit im Filstal für die RB-Leistungen wird in Stuttgart Hbf, Plochingen, Süßen und Ulm Hbf gemessen. Es ergibt demnach keinen Sinn, im Zulauf auf Geislingen die Züge künstlich zu verlangsamen. Wir haben aufgrund der vielen Messstellen im Gegenteil ein Interesse daran, die Züge auf ihrem gesamten Laufweg möglichst pünktlich fahren zu lassen, besonders, weil dies die Voraussetzung ist, dass der Umstieg in Geislingen auf den IRE funktioniert. Genau hier setzten die geplanten Maßnahmen zum 11.09 und zum 10.12.2017 an, um dies künftig deutlich besser zu machen. Die lange Standzeit in Geislingen ist bedingt durch das Fahrplankonzept, da in Geislingen erst der IC Richtung München überholt, dass der IRE Richtung Lindau hält, um den Umstieg aus der RRB herzustellen und in der Folge noch der ICE ebenfalls Richtung München durchfahren muss.

Auf Grund dieser dichten Zugfolge der drei überholenden Züge ergibt sich die Standzeit von 21 Minuten in Geislingen.

  • Wann und in welcher Höhe werden die Pendler auf der Filstalstrecke entschädigt?

VM: Entschädigungen für die Fahrgäste obliegen stets dem Eisenbahnunternehmen. Der Personalverkehrsvorstand der DB, Berthold Huber, hat einen Monatsbeitrag als freiwillige Kulanzleistung von DB Regio im Rahmen des mit dem Ministerium für Verkehr vereinbarten 10-Punkte-Aktionsplan der DB Regio Baden-Württemberg zur Verbesserung des SPNV zugesagt.

  • Wie erfolgt die Preisreduzierung für die Zukunft, sofern die geplanten Maßnahmen der nicht zur Normalität führen?

VM: Genauso wie zu Frage 16) obliegt die Entschädigung für Fahrgäste stets dem Eisenverkehrsunternehmen. Deshalb wäre es eine wünschenswerte, aber freiwillige, unternehmerische Entscheidung, bei mangelhafter Qualität weitergehende Preisreduzierungen anzubieten.

  • Wirkung der „Schnaitmann-Maßnahmen“. Der Sonderbeauftragte des Stuttgarter Verkehrsministeriums, Gerhard Schnaitmann, wollte mit Maßnahmen die chaotische Situation auf der Filstalbahn verbessern. Unter anderem sollte ein Ersatzzug in Stuttgart bereitgestellt werden. Wie oft kam dieser Ersatzzug auf der Filstalstrecke bisher zum Einsatz? Bitte die jeweiligen Einsatzzeiten detailliert zur Nachvollziehbarkeit darstellen.

DB: Der Ersatzzug steht in Stuttgart und kommt immer dann zum Einsatz, wenn bekannt ist, dass ein Zug ausfällt um dann die darauffolgende Zugfahrt nicht ebenfalls ausfallen lassen zu müssen. Diese Zuggarnitur kommt bei Bedarf auf allen Strecken von und nach Stuttgart und damit auch im Filstal zum Einsatz. Falls ein Zug bereits ab Ulm ausfällt, kann die in Stuttgart stationierte Einheit nicht zum Einsatz kommen, da sie dann erst nach Ulm gebracht werden müsste. Die Zuggarnitur kann also nur Zugleistungen abdecken, die ab Stuttgart verkehren, sofern sie nicht bereits auf einer anderen Strecke im Einsatz ist.

Auch hier erwarten wir durch die Änderungen im Filstal ab dem 11.09.2017 und dem 10.12.2017 eine Verbesserung, da dann in Stuttgart bereits planmäßig eine zusätzliche Zuggarnitur eingesetzt wird, sodass die Leistung ab Stuttgart unabhängig von der ankommenden Leistung abfahren kann.

  • Ab 2019 übernimmt Go-Ahead die Filstalstrecke.
    1. Wie viele 2. Klasse-Sitzplätze gibt es heute fahrplanmäßig in den Zügen zur Pendler-Hauptreisezeit von 5 bis 8 Uhr sowie von 15:30 bis 18:30 Uhr? Bitte die Plätze pro Zug ausweisen. Wie viele 2. Klasse-Sitzplätze wird es ab 2019 bei dem neuen Anbieter zu diesen Zeiten im Vergleich geben?

VM: Durch die geplanten Anpassungen im Filstal liegen noch keine endgültigen Kapazitätsangaben vor. Zudem werden derzeit die Kapazitätsvorgaben für den zukünftigen Betreiber Go-Ahead überprüft. Es sollen anhand von belastbaren Prognosen die ausgeschriebenen Kapazitäten überprüft werden, wobei auch die Verkehrsstromänderungen durch S21 berücksichtigt werden müssen. Erst wenn diese Prozesse abgeschlossen sind, können zukünftige Kapazitäten kommuniziert werden. Unabhängig davon kann die Kapazität im Rahmen eines Verkehrsvertrages jederzeit mit den vorhandenen Fahrzeugen nachgesteuert werden, um auf kurzfristige Änderungen in der Nachfrage reagieren zu können.

  1. Müssen neue Abo-Karten (Fahrkarten) gekauft werden? Falls ja, gelten diese auch für DB-Züge (z.B. IRE Richtung Lindau) sowie S-Bahnen? Was kosten die neuen Abo-Karten beispielhaft ab 2019 für die Strecke Ebersbach (Fils) nach Stuttgart? Bisher bezahle ich für mein Abo 1.334 Euro p.a.

VM: Innerhalb der Verbünde bleibt alles beim Alten. Die neuen Betreiber sind verpflichtet, sämtliche Verbundtarife in ihren Zügen anzuerkennen. Sie können deshalb Ihr bestehendes Abo auch künftig nutzen. Hinsichtlich der Nutzung von verbundgrenzenüberschreitenden Tickets finden derzeit die Verhandlungen zwischen der DB Regio AG und dem neuen Betreiber statt. Sie können bestehende Abos auch weiterhin in Zügen der DB Regio AG nutzen – in Ihrem Fall also etwa dem stündlichen IRE Stuttgart – Ulm.

  1. Wie hat sich das Land gegen Preiserhöhungen für die Pendler abgesichert? Welchen Einfluss hat die Politik überhaupt noch bei einem britischen Anbieter? Zum Vergleich: Die Bahn ist ein Staatsunternehmen, wo durchaus Einflussnahme durch die Politik möglich ist.

VM: Die Tarifverantwortung liegt grundsätzlich bei den Verkehrsunternehmen bzw. bei den Verkehrsverbünden. Das Ziel des Landes ist es, zukünftig über die Einführung des sog. Baden-Württemberg-Tarifs den gesamten ÖPNV im Land für die Fahrgäste gerade auf den verbundgrenzenüberschreitenden Verkehren attraktiver zu machen. Das Land nimmt hierbei seine Verantwortung in den entsprechenden Gremien wahr.

Darüber hinaus ist darauf hinzuweisen, dass die Kosten für die Finanzierung des straßengebundenen ÖPNV und für den SPNV nach wie vor die Einnahmen durch Fahrgelderlöse in Größenordnungen übersteigen. Daher werden allein bundesweit für den SPNV jährlich über 8,0 Milliarden Euro an Zuschüssen an die Eisenbahnverkehrsunternehmen ausgereicht, um das bestehende Leistungsangebot im SPNV überhaupt zu ermöglichen. Gleiches gilt damit auch für den SPNV in Baden-Württemberg und für die kommunalen Aufgabenträger im straßengebundenen ÖPNV, der von diesen eigenständig zu finanzieren ist.

Um die Kosten für die Gesamtheit aller Steuerzahler in vertretbaren Grenzen zu halten, wird es daher auch in Zukunft zu moderaten, aber kontinuierlichen Preissteigerungen bei den Tarifen kommen.

  1. Gibt es ab 2019 Änderungen im Fahrplan? Falls ja, bitte eine detaillierte Gegenüberstellung zum heutigen Fahrplan darlegen.

VM: Mit der Inbetriebnahme von Netz 1 wird es erhebliche Verbesserungen für das Filstal geben. Die bisher nur ab Stuttgart, teilweise sogar nur ab Plochingen verkehrenden RB nach Süßen werden dann den halbstündlichen Metropolexpress Stuttgart-Geislingen ergeben. Diese Züge werden überall halten und ein vertaktetes Angebot für das ganze Filstal bieten. Eine entsprechende Kommunikation wird ein Jahr vor Inbetriebnahme stattfinden.

  • Wem ist die NVBW unterstellt und wie wird diese finanziert? Hintergrund: Mehrere meiner Anfragen an die NVBW wurden trotz mehrfachem Nachfassen nicht beantwortet. Diverse Mitpendler erlebten Ähnliches.

VM: Die NVBW untersteht direkt dem Verkehrsministerium und ist eine Gesellschaft des Landes. Sie erhält für die Aufgabenwahrnehmung, die vertraglich zwischen Land und NVBW vereinbart worden ist, einen jährlichen Zuschuss des Landes. Der Zuschuss wird aus den Regionalisierungsmitteln finanziert, die das Land vom Bund gemäß dem Regionalisierungsgesetz erhält. Gemäß den umfangreichen Aufgaben, mit denen die NVBW befasst ist (insbesondere im Hinblick auf die operative Umsetzung der Verkehrsverträge, die das Land mit einer Vielzahl von Eisenbahnverkehrsunternehmen abgeschlossen hat), ist es leider nicht möglich, immer auf alle Anfragen eine zeitnahe Antwort zu erhalten. Wir bitten, diesen Umstand zu berücksichtigen.

  • Bekommt das Land auch Entschädigung für ausgefallene oder verringerte erste Klasse Plätze? Heute z.B. war der 07:50 RB19214 im Bahn Navigator ohne 1. Klasse angekündigt (hat jetzt doch eine).
    In den meisten IRE und auch in RB ist die Anzahl an 1. Klasse Plätzen gegenüber früher deutlich verschlechtert, oft gibt es nur noch einen viertel Waggon davon. Ich bezahle mehrere hundert Euro im Jahr dafür eine höhere Chance auf einen Sitzplatz ohne Ellenbogen Einsatz zu haben und bekomme dafür seit einigen Monaten weniger als die halbe Leistung. Wenn über Entschädigung diskutiert wird, werden dann alle Jahreskarten-Inhaber betrachtet? (auch mit IC/EC bzw. 1. Klasse)

VM: Die Minderung wegen der fehlenden 1. Klasse-Wagen erfolgt nach den vertraglichen Regelungen; siehe hierzu auch die Antwort zur Frage 14). Die Entschädigung der Jahreskarteninhaber erfolgt über die DB Regio auf unbürokratischem Wege; siehe hierzu auch die Antwort zur Frage 16.

  • Können Sie nachfragen und mich informieren wie viel weniger 1. Klasse Sitzplätze derzeit fahren?

Im Netz 2 (IRE) sind vertraglich 17 Plätze in der 1. Klasse bei einem Sitzplatzangebot von 500 Sitzplätzen vorgesehen. Im Übergangsvertrag Los 6 sind für die RB-Linie je nach Behängung 24 bis 42 Sitzplätze bei einer Sitzplatzkonfiguration von 204 bis 564 Sitzplätzen vertraglich vorgesehen. Im täglichen Betrieb sind auf Grund von Minderbehängungen und abweichendem Fahrzeugeinsatz teilweise Abweichungen von den vertraglich vorgesehenen Kapazitäten in der 1. Klasse festzustellen.

  • Wird unzureichende oder falsche Information der Reisenden wegen ausfallender Ansagen und viel zu spät korrigierten App-Inhalten vom Land auch als Mangel gegenüber der Bahn gerügt?

VM: Jährlich werden in mehreren Erhebungswellen durch Reisendenbefragungen die subjektiven und objektiven Qualitätskriterien überprüft. Unter vielen anderen Punkten wird hier auch die Fahrgastinformation abgefragt und später entsprechend bei der Abrechnung berücksichtigt.

  • Unter dem Aspekt „Pendeln nach Stuttgart in Zeiten des Feinstaubalarms“ wüsste ich gerne welche Fortschritte es bei der Planung eines Radschnellwegs durch das ganze Filstal bis in die Innenstadt von Stuttgart gibt.

VM: Das Verkehrsministerium hat erklärt, eine Radschnellverbindung von Plochingen nach Stuttgart in eigener Baulast realisieren zu wollen.

http://vm.baden-wuerttemberg.de /de/ministerium/presse/pressemitteilung/pid/ radschnellverbindungen-aus-einer-hand-land-realisiert-drei-pilotstrecken/

Anträge der Stadt Stuttgart und des Landkreises Esslingen auf Förderung von Machbarkeitsstudien für Radschnellverbindungen auf dieser Trasse werden voraussichtlich in den nächsten Wochen bewilligt. Bezüglich der Unterstützung des Landes für eine mögliche Weiterführung über Plochingen hinaus gibt es Gespräche zwischen dem Regierungspräsidium Stuttgart und dem Landratsamt Göppingen.

  • Läuft die Kommunikation auch ganzheitlich mit allen Bahngesellschaften? Gestern waren nur Vertreter des Nahverkehrs dabei – mir und vielen Mitreisenden ist die Teilung der Bahn egal, es geht darum mit allen auf der Filstalbahn haltenden Zügen zuverlässig zu fahren und darum, dass das Filstal nicht vom Rest der Welt abgeschnitten wird (Anbindung an oder haltender Fernverkehr).

VM: Das Land als Aufgabenträger steht im ständigen Kontakt auch mit den Fernverkehrsanbieter. Die Fahrpläne werden in enger Zusammenarbeit auch mit DB Fernverkehr erstellt. In diversen Planungsrunden werden immer wieder die Anschlüsse zwischen Nah- und Regionalverkehr regelmäßig abgestimmt und optimiert. Die Entscheidung welche Fernzüge wo im Filstal halten liegt aber letztendlich bei DB Fernverkehr.

  • In der NWZ stand, dass Jahreskarten Inhaber eine Entschädigung i. H. v. 1 Monatskarte erhalten. Mein Jahresabo hat in 2017 immerhin 2.505 € gekostet. An wen muss ich mich wenden um die 208,75€ zu erhalten? (die tatsächlichen Störungen, Verspätungen, Ausfälle und ungenügend bereitgestellte 1.Klasse Sitzplätze bewerte ich deutlich höher)

DB: Siehe Antwort zu Frage 2

  • Da hat man Bockmist mit Vergabe und Fahrplan gebaut, man hat die Bahn vergrault, dass diese so handelt wie sie eben handelt. Man (die Landesregierung) bekommt Strafgeld von der Bahn für verspätete und ausgefallene Züge und man gibt dieses Geld nicht weiter an die eigentlich Betroffenen, die Pendler. Man entschädigt die eigentlich Leidtragenden nicht adäquat. Und das ist nicht nur schäbig, das ist hochgradig unverschämt. Anstatt den Pendler angemessen abzufinden, stopft man mit dem Geld irgendwelche anderen Löcher.

VM: Siehe Antwort zu Frage 14).

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